DE
Meine Diplomarbeit Plus, Minus, Null (2025) steht in der konzeptuellen Serie der früheren Arbeiten Emma (2022–23) und Emma: f(n)ull (2024–25). Die Arbeit greift das Thema der Ambivalenz auf, das ich im theoretischen Teil meiner Diplomarbeit in 2024 untersuchte.
In Emma (2022–23), einer Arbeit aus Seife, löst sich das aus Angst durchdrungene Auto langsam im Wasser auf und verschwindet. Dieser Prozess zeigt, dass ein geliebtes Wesen selbst nach dem Tod in atomarer Form weiter existiert. Das daraus hervorgehende Konzept von „emptiness = fullness“ bildet den Ausgangspunkt für Emma: f(n)ull.
In Emma: f(n)ull (2024–25) verwandelt sich das ursprüngliche Hochrelief der Textilreliefs durch einen mit Silikon eingeleiteten Entleerungsprozess in ein Tiefrelief. Dieses Tiefrelief wird anschließend durch das Material Gips erneut gefüllt und kehrt in ein Hochrelief zurück. Durch diesen mehrschichtigen Vorgang – sowie in den daran anschließend Arbeiten, die mittels Tiefziehen entstanden sind – wurde das textile Material schrittweise über Silikon, Gips und Metall bis hin zu Kunststoff transformiert. Auf diese Weise konnte ich das physische Prinzip von „Fülle und Leere“ über verschiedene Materialien hinweg in jeweils neuen Ausdrucksformen untersuchen.
Im Diplomprojekt wird der Begriff der „Leere“, der aus der Ambivalenz von Leben und Tod hervorgeht, thematisiert - da Leben und Tod als Ursache und Wirkung miteinander verbunden sind, koexistieren die Gegensätze. Aus der Perspektive der buddhistischen Lehre des Śūnyatā (Emptiness) bedeutet dies, dass Gegensätze nicht als voneinander getrennte Kategorien, sondern als ein einziger Bereich verstanden werden müssen. Indem die Grenze zwischen den Kategorien aufgehoben wird, entsteht „Leere“. Die Polarität zwischen Leben und Tod verdichtet sich – und auf dieser doppelten Begegnung aufbauend wird untersucht, wie sich widersprüchliche Elemente in eine transformierende Energie überführen lassen.
Während sich die traditionelle Bildhauerei vor allem auf das Volumen konzentriert hat, steht der innere Raum der Skulptur stets in einer symbiotischen Beziehung zur äußeren Form. Der gefüllte Raum (positiv) und der leere Raum (negativ) existieren in gegenseitiger Abhängigkeit.
In diesem Zusammenhang verweist Heideggers Theorie des „The thing“ darauf, dass der Krug vor allem durch den leeren Raum definiert wird, der das Wasser erst aufnehmen kann. Ausgehend von dieser Überlegung und in Verbindung mit meiner langjährigen Reliefpraxis wollte ich die Ambivalenz von Leben und Tod sowie von Innenraum und Volumen als eine neue Form der Plastizität hervorheben.
Die gestalterische Diplomarbeit gliedert sich in drei Hauptteile, die jeweils paarweise angelegt sind.Die erste Werkgruppe umfasst Textil- und Silikonreliefs. Durch das Übergießen des Textilreliefs mit Silikon, das anschließende Entleeren und erneute Füllen entsteht ein Relief, das sowohl als Hochrelief (Plus) als auch als Tiefrelief (Minus) gelesen werden kann – ein ambivalentes „Null/Emptiness“, das zugleich gefüllt und entleert erscheint.
Die zweite Werkgruppe besteht aus Glasreliefs, die nach demselben Prinzip entwickelt wurden.
Die dritte Werkgruppe schließlich umfasst eine Serie von Reliefs, die durch das Tiefziehen von EVA-Schaumstoff entstehen. Die gefrästen Holzformen und die schichtweise aufgebauten 3D-gedruckten Objekte werden durch das Tiefziehen zunächst gefüllt und danach wieder entleert, sodass neue Hohlräume sichtbar werden und eine eigenständige Oberflächensprache entsteht.